Union Investment kündigt UniVorsorge an: drei Produkte, Kosten erst im Herbst
21. Mai 2026 · Timotheus Ruprecht · 4 Minuten Lesezeit

Deutschlands größter Riester-Fondsanbieter stellt seine Produktlinie fürs Altersvorsorgedepot vor. Drei Varianten, ausschließlich über Genossenschaftsbanken, aktive ETFs als Standardprodukt. Die konkreten Kosten fehlen bis Herbst 2026.
Kurz nach der Bundesrat-Zustimmung am 8. Mai 2026 hat Union Investment seine geplante Produktlinie fürs Altersvorsorgedepot öffentlich vorgestellt. Das Unternehmen verwaltet rund drei Millionen Riester-Fondssparpläne und ist damit der größte Anbieter in diesem Segment in Deutschland. Unter dem Label UniVorsorge kommen drei Produkte, Vertrieb ausschließlich über Volksbanken und Raiffeisenbanken. Wie viel die Produkte kosten, bleibt vorerst offen: Union Investment will die Gebühren erst im Herbst 2026 kommunizieren. Stand Mai 2026.
Was diese Woche passiert ist
Das Altersvorsorgereformgesetz ist seit dem 14. Mai 2026 im Bundesgesetzblatt verkündet. Damit steht der gesetzliche Rahmen fest. Jetzt ziehen die großen Anbieter mit konkreten Produktankündigungen nach.
Union Investment hat als einer der größten klassischen Finanzdienstleister in Deutschland reagiert. Die Pressemitteilung erschien kurz nach dem Bundesratsbeschluss. Sie richtet sich an die rund 700 Volksbanken und Raiffeisenbanken, die UniVorsorge ab 2027 vertreiben sollen, und an Bestandskunden mit Riester-Verträgen bei Union Investment.
Der Schritt hat Gewicht: Union Investment betreut allein im Riester-Segment rund drei Millionen laufende Verträge. Wie sich das Unternehmen positioniert, beeinflusst, was Millionen bisheriger Riester-Sparer als nächste Option sehen.
Was Union Investment plant
Drei Produkte sind geplant.
Das Standardprodukt setzt auf aktive ETFs. Union Investment entwickelt dafür zwei eigene Fonds mit ETF-Hülle: einen globalen Aktien-ETF und einen Euro-Anleihen-ETF. Beide entstehen gemeinsam mit der Quoniam Asset Management GmbH, einer quantitativen Fondstochter von Union Investment. Damit betritt Union Investment erstmals das ETF-Geschäft.
Das Standardprodukt folgt der gesetzlich vorgeschriebenen Gleitpfadlogik. Fünf Jahre vor dem vereinbarten Rentenbeginn sinkt die Aktienquote auf maximal 50 Prozent. Zwei Jahre vor dem Ende reduziert sie sich weiter auf maximal 30 Prozent.
Das zweite Produkt ist ein aktiv gemanagter Fonds ohne Kapitalgarantie. Das dritte Produkt bietet eine vollständige Beitragsgarantie: 100 Prozent der eingezahlten Beiträge werden am Ende zurückgezahlt.
Keines der drei Produkte verlangt einen Ausgabeaufschlag.
Was fehlt: die konkreten laufenden Kosten. Union Investment will die Gebühren erst im Herbst 2026 bekanntgeben, zeitgleich mit der offiziellen Fondsauflage.
Was die fehlenden Kosten bedeuten
Der gesetzliche Kostendeckel liegt bei einem Prozent Effektivkosten pro Jahr. Union Investment muss diesen Deckel einhalten. Wo innerhalb dieses Rahmens die tatsächlichen Gebühren liegen werden, ist noch unklar.
Verbraucherschützer haben nach der Verkündung des Gesetzes ausdrücklich davor gewarnt, vorschnell teure Produkte abzuschließen. Der Hinweis ist nicht ohne Grund: Aktive Fonds kosten strukturell mehr als passive Indexfonds. Auch aktive ETFs wie die geplanten Quoniam-Produkte dürften deutlich über den Kosten eines einfachen Welt-ETF liegen.
Zum Vergleich: Scalable Capital und finanzen.net ZERO haben ihre Konditionen bereits veröffentlicht. Beide verlangen null Prozent Depot- und Ordergebühr für Sparpläne. Die Fondskosten hängen dort vom gewählten ETF ab, können aber mit einem günstigen Welt-ETF bei 0,10 bis 0,20 Prozent jährlich liegen.
Ein vollständiger Kostenvergleich zwischen UniVorsorge und den Neobroker-Anbietern ist erst möglich, wenn Union Investment im Herbst seine Zahlen vorlegt.
Was sich für dich ändert
Wenn du heute einen Riester-Fondssparplan bei Union Investment hast, ändert sich zunächst nichts. Bestehende Verträge laufen weiter. Eine freiwillige Überführung in ein UniVorsorge-Produkt wird möglich sein, ist aber keine Pflicht und löst keine automatische Kündigung aus.
Wer ein Altersvorsorgedepot bei Union Investment eröffnen möchte, kann das ausschließlich über eine Volksbank oder Raiffeisenbank tun. Einen direkten Online-Abschluss ohne Beratung gibt es nicht.
Ob UniVorsorge für dich eine sinnvolle Option ist, lässt sich heute noch nicht beurteilen. Dafür fehlen die Kosten. Bis Herbst 2026 bleibt der Vergleich mit anderen Anbietern unvollständig.
Was als Nächstes kommt
Union Investment ist nicht das einzige Haus, das jetzt konkretisiert. Mit der Verkündung im Bundesgesetzblatt haben alle Anbieter Planungssicherheit.
Was noch aussteht:
- Herbst 2026: Union Investment veröffentlicht konkrete Fondskosten für UniVorsorge
- Trade Republic hat einen Zertifizierungsantrag bei der BaFin gestellt, konkrete Konditionen fehlen noch
- ING hat das Angebot bestätigt, Preise sind noch nicht bekannt
- DKB hat ebenfalls Interesse signalisiert, ohne Details
- Die Rechtsverordnung zum öffentlichen Standardprodukt ist noch nicht veröffentlicht
- Ab Oktober 2026 starten voraussichtlich erste Vorregistrierungen bei mehreren Anbietern
Die Entscheidung, welcher Anbieter es wird, muss nicht heute fallen. Der gesetzliche Starttermin ist der 1. Januar 2027.
Wie andere Anbieter sich bisher positioniert haben, steht in den Beiträgen zu finanzen.net ZERO → und Reform rechtskräftig →