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Altersvorsorgedepot-Gesetz: Was der Bundestagsbeschluss wirklich bringt

12. April 2026 · Timotheus Ruprecht · 4 Minuten Lesezeit

Am 27. März 2026 hat der Bundestag das Altersvorsorgereformgesetz verabschiedet. Die wichtigsten Punkte, die Gewinner, die Verlierer und was jetzt zu tun ist.

Am 27. März 2026 hat der Bundestag das Altersvorsorgereformgesetz verabschiedet. Nach über einem Jahr Debatte, drei Entwürfen und zwei Vermittlungsrunden ist die größte Reform der privaten Altersvorsorge seit Einführung der Riester-Rente damit beschlossen. Was wir jetzt sicher wissen, was sich gegenüber dem ersten Entwurf geändert hat und was für dich konkret folgt.

Die Kernpunkte im Überblick

Das Altersvorsorgedepot startet am 1. Januar 2027. Es ersetzt die Riester-Rente als gefördertes Vorsorgeprodukt, läuft aber parallel zu bestehenden Riester-Verträgen. Die zentralen Eckpunkte:

  • Grundzulage von bis zu 540 Euro pro Jahr
  • Kinderzulage von 300 Euro pro Kind und Jahr
  • Geförderter Eigenbeitrag von bis zu 1.800 Euro pro Jahr
  • Kostendeckel von 1 Prozent Effektivkosten pro Jahr
  • Keine Garantiepflicht für Einzahlungen und keine Beitragsgarantie zum Rentenbeginn
  • Förderberechtigt sind erstmals auch Selbstständige

Gegenüber dem ersten Referentenentwurf vom Sommer 2025 hat sich einiges geändert. Die wichtigsten Bewegungen:

  1. Der ursprünglich geplante Sockelbetrag für Geringverdiener wurde wieder gestrichen.
  2. Die Förderobergrenze beim Eigenbeitrag wurde von 1.500 auf 1.800 Euro angehoben.
  3. Die Wohnförderung, im ersten Entwurf nur als Option erwähnt, wurde fest ins Gesetz übernommen.
  4. Die Übergangsregelung für Riester wurde verlängert: Wer will, kann Riester-Verträge bis 2029 steuerneutral ins Altersvorsorgedepot übertragen.

Wer profitiert am stärksten

Drei Gruppen haben besonders viel von der Reform:

Familien mit Kindern

300 Euro Kinderzulage pro Kind und Jahr sind der größte Hebel. Bei zwei Kindern liegt die staatliche Förderung inklusive Grundzulage schon bei 1.140 Euro jährlich. Bei einem angenommenen Eigenbeitrag von 1.800 Euro entspricht das einer Förderquote von 63 Prozent. Kein anderes Produkt in Deutschland kommt da heran.

Selbstständige

Zum ersten Mal seit Riester sind auch Selbstständige förderberechtigt. Das schließt eine Lücke, die seit Jahren in der Altersvorsorgelandschaft klafft. Wer als Freiberufler oder Gewerbetreibender bisher nur in die Rürup-Rente einzahlen konnte, hat jetzt eine flexible Alternative mit staatlicher Zulage.

Hohe Steuersätze

Wer einen Grenzsteuersatz von 35 Prozent oder mehr hat, bekommt die Förderung auch über die Steuererklärung zurück. Die Günstigerprüfung stellt sicher, dass der größere Vorteil gilt. Für Top-Verdiener mit 42 Prozent Spitzensteuersatz bedeutet das: Jeder Euro Eigenbeitrag spart bis zu 42 Cent Steuer.

Wer sollte vorsichtig sein

Nicht für alle ist das Altersvorsorgedepot automatisch die beste Wahl:

  • Geringverdiener ohne Kinder. Ohne Kinderzulage und mit niedrigem Steuersatz bleibt die Förderung überschaubar. Ein ETF-Sparplan in einem normalen Depot kann rein rechnerisch ähnlich gut abschneiden.
  • Unter 25. Die Rendite hängt stark vom Zinseszinseffekt ab. Wer noch unsicher ist, ob er langfristig in Deutschland bleibt, sollte bedenken, dass Auszahlungen an eine Eigennutzung oder den deutschen Wohnsitz gebunden sind.
  • Menschen kurz vor der Rente. Mit weniger als 15 Jahren Ansparzeit wirkt der Zinseszins-Effekt schwach. Hier kann Rürup oder die betriebliche Altersvorsorge rentabler sein.

Was bedeutet das für bestehende Riester-Verträge

Die Übergangsregelung ist großzügiger geworden. Bis Ende 2029 kannst du dein Riester-Guthaben steuerneutral ins Altersvorsorgedepot übertragen. Zulagen und Steuerersparnisse der Vergangenheit bleiben erhalten.

Ob sich der Wechsel lohnt, hängt von drei Faktoren ab:

  1. Höhe deines Riester-Guthabens. Bei kleinen Beträgen überwiegt der Aufwand den Nutzen.
  2. Jahreskosten deines aktuellen Riester-Vertrags. Klassische Versicherer verlangen oft mehr als 2 Prozent, das Altersvorsorgedepot ist auf 1 Prozent gedeckelt.
  3. Deine Restlaufzeit. Je länger, desto stärker wirken niedrigere Kosten.

Eine ausführliche Entscheidungshilfe findest du im Artikel zum Riester-Wechsel.

Was jetzt passiert

Bis zum Start am 1. Januar 2027 gibt es drei Phasen:

  • April bis August 2026: Anbieter veröffentlichen Konditionen. Scalable Capital hat am 18. April 2026 vorgelegt, weitere folgen.
  • September bis Dezember 2026: Registrierung und Vorbereitung. Die meisten Anbieter planen, Konten ab Oktober eröffnen zu lassen, damit am 1. Januar Sparraten losgehen können.
  • Ab 1. Januar 2027: Einzahlungen zählen für die staatliche Förderung. Der erste Zulagenantrag ist bis spätestens 31. Dezember 2028 zu stellen.

Fazit

Das Altersvorsorgedepot ist einer der besten Förderwege, den der Staat je aufgelegt hat, insbesondere für Familien und Selbstständige. Das Gesetz ist durch, die Konditionen der Anbieter werden in den nächsten Monaten sichtbar. Wer Ansparbedarf hat, sollte den Start im Januar 2027 als festen Termin im Kalender eintragen.

Der Zukunftsrechner zeigt dir in zwei Minuten, wie viel Förderung und Endkapital du in deinem konkreten Fall erwarten kannst.

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