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Wissen, 9 Minuten Lesezeit

Was ist das Altersvorsorgedepot

Das Altersvorsorgedepot löst ab 2027 die Riester-Rente ab. Wer es bekommt, wie viel Förderung drin ist und was sich gegenüber Riester ändert.

Das Altersvorsorgedepot ist ein staatlich gefördertes Wertpapierdepot für die private Altersvorsorge. Es startet am 1. Januar 2027 und löst die Riester Rente ab. Der Staat fördert Einzahlungen mit einer Grundzulage von bis zu 540 Euro pro Jahr und einer Kinderzulage von 300 Euro pro Kind. Erstmals sind auch Selbstständige förderberechtigt.

Warum kommt das Altersvorsorgedepot überhaupt

16 Millionen Riester Verträge. Hohe Kosten, magere Rendite, ein Bürokratiemonster. Das war die Bilanz der Riester Rente nach über 20 Jahren. Am 27. März 2026 hat der Bundestag dem ein Ende gesetzt. Der Nachfolger heisst Altersvorsorgedepot und er ist grundlegend anders.

Der wichtigste Unterschied: Dein Geld steckt nicht mehr in einem Versicherungsmantel, der mehr dem Versicherer hilft als dir. Es fliesst direkt in ETFs oder Fonds, die du selbst auswählst (oder die ein Standardportfolio für dich übernimmt). Keine Garantiepflicht, keine Abschlusskosten, keine Nullzinsprobleme bei sicheren Anlagen.

Was ist neu gegenüber Riester

Fünf Dinge ändern sich spürbar.

1. Keine Garantiepflicht mehr

Bei Riester mussten Anbieter garantieren, dass du am Ende mindestens deine Einzahlungen plus Zulagen zurückbekommst. Das klingt gut, hat aber dazu geführt, dass Riester Anbieter die Gelder fast ausschliesslich in niedrig verzinste Anleihen geparkt haben. Rendite: mager. Beim AVD gibt es diese Pflicht nicht mehr. Dein Geld darf komplett in Aktien ETFs fliessen.

2. Selbstständige sind dabei

Über 4 Millionen Selbstständige waren bei Riester aussen vor. Beim AVD sind sie zum ersten Mal dabei und können die gleichen Zulagen bekommen wie Angestellte.

3. Kosten haben einen Deckel

Ein Prozent vom Depotwert pro Jahr. Das ist die gesetzliche Obergrenze für Kosten. Klingt wenig, ist über 40 Jahre aber viel Geld. Neobroker wie Scalable oder Trade Republic werden voraussichtlich deutlich darunter bleiben.

4. Auszahlung flexibler

Bei Riester warst du zur lebenslangen Rente verpflichtet. Beim AVD hast du die Wahl zwischen Auszahlplan, Teilauszahlung und lebenslanger Rente. Mehr Kontrolle über dein eigenes Geld.

5. Staatliches Standarddepot als Fallback

Wer keinen Anbieter aktiv auswählt, landet im staatlich beauftragten Standarddepot. Kein optimales Produkt, aber ein Sicherheitsnetz, damit niemand aus der Förderung fällt.

Wie funktioniert die Förderung konkret

Der Staat gibt dir Geld auf zwei Wegen. Erstens mit Zulagen, die direkt in dein Depot fliessen. Zweitens mit einer Steuererstattung, die du über die Steuererklärung bekommst.

Zulagen

  • Grundzulage: bis zu 540 Euro pro Jahr. Du bekommst sie, wenn du mindestens 1.800 Euro eigenes Geld einzahlst (das sind 150 Euro im Monat).
  • Kinderzulage: 300 Euro pro Kind pro Jahr, solange du Kindergeld bekommst.
  • Berufseinsteigerbonus: einmalig 200 Euro, wenn du bei Vertragsbeginn unter 25 bist.

Steuererstattung

Deine Einzahlungen und die Zulagen zusammen kannst du als Sonderausgaben steuerlich geltend machen. Das Finanzamt macht automatisch eine sogenannte Günstigerprüfung und rechnet aus, ob die Steuerersparnis höher ist als die reinen Zulagen. Wenn ja, bekommst du die Differenz als Steuererstattung ausgezahlt.

Ein Beispiel: Lisa verdient 52.000 Euro und zahlt 150 Euro im Monat ein. Sie bekommt 540 Euro Grundzulage. Ihre Steuerersparnis liegt bei rund 737 Euro. Daraus ergibt sich eine Steuererstattung von 197 Euro, die sie zusätzlich bekommt.

Lohnt sich das für dich

Kurze Antwort: Für die meisten ja. Lange Antwort: Es kommt auf drei Dinge an.

  1. Dein Steuersatz. Je höher dein Grenzsteuersatz, desto mehr Steuererstattung bekommst du zusätzlich zu den Zulagen.
  2. Deine Sparrate. Die volle Grundzulage gibt es erst ab 1.800 Euro Eigenbeitrag im Jahr. Wer weniger einzahlt, bekommt anteilig weniger.
  3. Dein Alter. Je jünger du anfängst, desto mehr Zinseszins Effekt bekommst du.

Die ehrliche Antwort: Wenn du ein normales ETF Sparplan betreibst und Zulagen bekommen kannst, ist das AVD in fast allen Fällen die bessere Wahl. Der Zukunftsrechner zeigt dir in 2 Minuten genau deinen Fall.

Wer bietet das Altersvorsorgedepot an

Stand April 2026 hat noch kein Anbieter finale Konditionen veröffentlicht. Sehr wahrscheinlich dabei sind Scalable Capital, Trade Republic und finanzen.net ZERO. ING und DKB sind wahrscheinlich, comdirect ist offen. Daneben gibt es das staatliche Standarddepot.

Wir führen einen laufend aktualisierten Anbieter Vergleich für dich, damit du zum Start 2027 schnell entscheiden kannst.

Häufige Fragen

Was ist das Altersvorsorgedepot einfach erklärt?
Das Altersvorsorgedepot ist ein staatlich gefördertes Wertpapierdepot, das ab 1. Januar 2027 die Riester Rente ablöst. Der Staat zahlt dir Zulagen, wenn du in ETFs fürs Alter sparst.
Wann startet das Altersvorsorgedepot?
Am 1. Januar 2027. Der Bundestag hat das Gesetz am 27. März 2026 beschlossen, der Bundesrat hat Ende März 2026 zugestimmt.
Wer bekommt das Altersvorsorgedepot?
Alle in Deutschland unbeschränkt Steuerpflichtigen, die arbeiten oder Arbeitslosengeld I beziehen. Erstmals sind auch Selbstständige und Freiberufler dabei. Nur wer schon in Rente ist, ist ausgeschlossen.
Wie viel Förderung gibt es?
Bis zu 540 Euro Grundzulage pro Jahr und 300 Euro Kinderzulage pro Kind. Wer unter 25 ist, bekommt einmalig 200 Euro Berufseinsteigerbonus.
Was kostet mich das?
Maximal 1 Prozent deines Depotwerts pro Jahr, das ist die gesetzliche Obergrenze. Bei Neobrokern dürften die Kosten deutlich darunter liegen.

Jetzt ausrechnen, wie viel Förderung du bekommst

Der Zukunftsrechner zeigt dir in 2 Minuten deine Zulagen, deine Steuererstattung und wie viel Rente am Ende übrig bleibt.

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Quellen: Altersvorsorgereformgesetz (BT-Drs. 21/4996), Bundesfinanzministerium FAQ zur Reform der privaten Altersvorsorge, Bundestag. Keine Anlage- oder Steuerberatung.