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Wissen, 9 Minuten Lesezeit

Vom Riester zum Altersvorsorgedepot wechseln

Lohnt sich der Wechsel vom Riester Vertrag ins neue Altersvorsorgedepot? So triffst du die Entscheidung und so läuft der Umbruch ab.

Riester war ein Desaster. 16 Millionen Verträge, hohe Kosten, magere Rendite. Ab 2027 kannst du dein Geld ins neue Altersvorsorgedepot übertragen. Hier steht, wann sich das lohnt, wann nicht und wie der Wechsel genau abläuft.

Wechseln oder laufen lassen

Das Gesetz gibt dir die Wahl. Du kannst deinen Riester Vertrag entweder weiterlaufen lassen oder das angesparte Kapital ins Altersvorsorgedepot übertragen. Beides ist erlaubt. Für Neuabschlüsse ist Riester ab 2027 allerdings tot.

Die wichtigste Frage bei der Entscheidung: Wie teuer ist dein heutiger Riester Vertrag und wie hoch ist der Garantiezins?

Wann sich der Wechsel fast sicher lohnt

  1. Bei klassischen Riester Fondssparplänen. Die haben oft Kosten von 1,5 bis 2 Prozent pro Jahr. Beim Depot bei einem Neobroker zahlst du voraussichtlich einen Bruchteil davon.
  2. Bei Bank Riester Produkten mit Niedrigzins. Hier bekommst du heute kaum Rendite. Im Depot mit breitem Aktien ETF langfristig deutlich mehr.
  3. Wenn du noch mehr als 15 Jahre bis zur Rente hast. Je länger die Restlaufzeit, desto stärker wirkt der Kostenunterschied.
  4. Wenn du mit deinem heutigen Anbieter unzufrieden bist. Schlechter Service, schlechter Fonds, undurchsichtige Abrechnung. Gute Gründe für den Wechsel.

Wann du eher nicht wechseln solltest

  1. Bei klassischen Riester Rentenversicherungen mit hohem Garantiezins. Wer noch einen Vertrag mit 3,25 oder 4 Prozent Garantie hat, sollte den nicht leichtfertig aufgeben. So hohe garantierte Zinsen gibt es heute nirgendwo mehr.
  2. Wenn du kurz vor der Rente stehst. Weniger als 10 Jahre Restlaufzeit. Hier fällt der Aktienmarkt stärker ins Gewicht und der Wechsel kann teuer werden, falls die Börse zum Auszahlungszeitpunkt schlecht läuft.
  3. Wenn der Wechsel hohe Stornokosten auslöst. Manche Versicherer verrechnen einen Teil der Abschlusskosten erneut. Bei Verträgen über 15 Jahre Laufzeit ist das meist kein Problem mehr.

So läuft der Wechsel ab

Das Gesetz regelt das Verfahren klar. In Kurzform:

  1. Du eröffnest ab Januar 2027 ein Altersvorsorgedepot bei einem Anbieter.
  2. Du beantragst bei deinem heutigen Riester Anbieter die Übertragung des Guthabens.
  3. Das Geld wird steuerfrei auf das Altersvorsorgedepot übertragen.
  4. Dein Riester Vertrag wird beitragsfrei gestellt oder aufgelöst.
  5. Ab sofort zahlst du neue Beiträge ins Depot ein. Zulagen und Steuererstattungen laufen dort weiter.

Wichtig: Zulagen und Steuerersparnisse aus der Vergangenheit bleiben erhalten. Du musst nichts zurückzahlen, solange das Geld für die Altersvorsorge verwendet wird.

Rechenbeispiel, warum der Wechsel oft besser ist

Nehmen wir Sarah. Sie ist 38, hat seit 15 Jahren einen Riester Fondssparplan, Guthaben 22.000 Euro, Kosten 1,5 Prozent pro Jahr, Restlaufzeit bis 67 sind 29 Jahre. Sie zahlt weiter 150 Euro im Monat ein.

Szenario 1, sie bleibt bei Riester. Erwartete Rendite nach Kosten: 4 Prozent. Endvermögen: rund 165.000 Euro.

Szenario 2, sie wechselt zum Depot bei einem Neobroker. Erwartete Rendite nach Kosten: 6,5 Prozent (7 Prozent MSCI World minus 0,5 Prozent Kosten). Endvermögen: rund 260.000 Euro.

Unterschied: rund 95.000 Euro. Allein durch den Wechsel. Zulagen und Steuerersparnis zählen bei beiden gleich.

Worauf du vor dem Wechsel achten solltest

  • Frage bei deinem heutigen Riester Anbieter die aktuellen Rückkaufswerte an.
  • Prüfe, ob Garantiezinsen im Spiel sind, die du verlieren würdest.
  • Vergleiche die Gesamtkosten deines Riester Vertrags mit den erwarteten Depot-Kosten.
  • Warte nicht auf den 1. Januar 2027 selbst, sondern plane deinen Wechsel für Q1 2027.

Bei welchem Anbieter das neue Depot eröffnen

Stand April 2026 ist noch offen, wer alles anbietet. Sehr wahrscheinlich dabei: Scalable Capital, Trade Republic, finanzen.net ZERO. Wir pflegen einen laufend aktualisierten Anbieter Vergleich, in dem du siehst, wer wie weit ist und wo du dich heute schon auf eine Warteliste setzen kannst.

Zahlen ansehen

Wie stark der Wechsel bei dir durchschlägt, hängt von deiner Restlaufzeit und den Kosten ab. Der Zukunftsrechner zeigt dir, was ein Depot bei verschiedenen Kostenniveaus rausholt.

Wechseln und direkt in Wohneigentum investieren

Wer seinen Riester-Vertrag ins Altersvorsorgedepot überträgt, kann das Kapital anschliessend auch für den Kauf einer selbstgenutzten Immobilie nutzen. Das nennt sich Wohnförderung. Das Geld muss nicht zurückgezahlt werden, wird aber im Alter nachgelagert besteuert.

Die Kombination aus Riester-Wechsel und Wohnförderung kann sinnvoll sein, wenn du ohnehin eine Immobilie kaufen möchtest und noch mehr als 10 Jahre bis zur Rente hast. Alles zur Wohnförderung im Altersvorsorgedepot →

Häufige Fragen

Kann ich meinen Riester Vertrag ins Altersvorsorgedepot umwandeln?
Ja. Das Gesetz sieht vor, dass bestehendes Riester Kapital in ein Altersvorsorgedepot übertragen werden kann. Die gezahlten Zulagen und Steuerersparnisse bleiben erhalten.
Muss ich meinen Riester Vertrag wechseln?
Nein. Bestehende Verträge laufen weiter und bleiben gefördert. Neue Verträge können aber ab 2027 nur noch als Altersvorsorgedepot abgeschlossen werden.
Lohnt sich der Wechsel immer?
Nein. Bei Verträgen mit hohem Garantiezins oder kurzer Restlaufzeit kann der Wechsel unvorteilhaft sein. Bei klassischen Riester Fondsparverträgen mit hohen Kosten lohnt er sich fast immer.
Was passiert mit den bereits erhaltenen Zulagen beim Wechsel?
Sie bleiben erhalten und werden nicht zurückgefordert. Auch die Steuerersparnisse der Vergangenheit sind sicher, solange du das Geld weiter für die Altersvorsorge nutzt.

Jetzt ausrechnen, wie viel Förderung du bekommst

Der Zukunftsrechner zeigt dir in 2 Minuten deine Zulagen, deine Steuererstattung und wie viel Rente am Ende übrig bleibt.

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Quellen: Altersvorsorgereformgesetz (BT-Drs. 21/4996), Bundesfinanzministerium FAQ zur Reform der privaten Altersvorsorge, Bundestag. Keine Anlage- oder Steuerberatung.