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Riester-Rente in Altersvorsorgedepot umwandeln
Schritt für Schritt: Wie du deine Riester-Rente ab 2027 ins Altersvorsorgedepot überträgst, ohne Zulagen zu verlieren.
Die Riester-Rente schließt ab 2027 für Neuabschlüsse. Bestehende Verträge können in das Altersvorsorgedepot überführt werden, ohne dass die staatlichen Zulagen oder Steuerersparnisse verloren gehen. Hier liest du Schritt für Schritt, wie der Übertrag funktioniert, was du beim Altanbieter regelst und welche Stolperfallen du kennen solltest. Eine Rückkehr zur alten Wechsel-Frage findest du im Beitrag zurück zur Wechsel-Entscheidung, wenn du noch unsicher bist.
Welche Riester-Verträge sich umwandeln lassen
Fonds-Riester: Kosten-Hebel prüfen. Die laufenden Gesamtkosten liegen bei vielen Produkten zwischen 1,5 und 2,5 Prozent pro Jahr, einzelne Verträge liegen darüber. Günstige ETF-Riester kommen unter 1 Prozent. Im Altersvorsorgedepot deckelt das Gesetz die Kosten auf maximal 1 Prozent. Der Wechsel lohnt sich vor allem, wenn dein Vertrag teuer ist. Liegt er schon unter 1 Prozent, ist der Hebel kleiner.
Banksparplan: Rendite-Frage, nicht Kostenfrage. Banksparpläne sind günstig, aber die Verzinsung hängt an der Umlaufrendite. Viele laufende Verträge kommen heute auf nahezu null Prozent. Bei mehr als zehn Jahren Restlaufzeit bringt ein breiter ETF im Altersvorsorgedepot erfahrungsgemäß deutlich mehr. Je länger der Anlagehorizont, desto eindeutiger spricht die Mathematik für die Umwandlung.
Versicherungs-Riester: Garantiezins und Storno genau prüfen. Viele ältere Versicherungsverträge haben durch die sogenannte Zillmerung bereits beim Abschluss Kosten verrechnet. Ein früher Ausstieg kann deshalb teuer sein. Noch wichtiger: Wenn dein Vertrag einen Garantiezins von 3 Prozent oder mehr hat, ist dieser Wert heute nirgendwo mehr zu bekommen. Wer diesen Schutz aufgibt, sollte das bewusst entscheiden und nicht unter Zeitdruck.
Schritt für Schritt: Umwandlung in 6 Schritten
Der Ablauf ist im Gesetz klar geregelt. Du musst kein Profi sein, brauchst aber etwas Geduld zwischen den Schritten.
- Altersvorsorgedepot beim neuen Anbieter eröffnen. Eine Übersicht der Anbieter findest du in unserem Anbieter-Vergleich.
- Beim Riester-Anbieter den Übertragungsantrag anfordern. Manche Anbieter haben eigene Formulare, andere nutzen den Bundesstandard.
- Formular ausfüllen und an den Altanbieter senden. Wichtig sind die Depotdaten des neuen Altersvorsorgedepots und deine Zulagennummer.
- Übertrag abwarten. Die Bearbeitung dauert in der Regel vier bis zwölf Wochen. Versicherer brauchen länger als Banken.
- Riester-Vertrag beitragsfrei stellen oder schließen. Beitragsfrei stellen ist meist günstiger, weil keine neuen Abschlusskosten ausgelöst werden.
- Beiträge und Zulagen in das Altersvorsorgedepot umleiten. Der neue Anbieter übernimmt die Zulagenmeldung an die Zentrale Zulagenstelle.
Was mit Zulagen und Steuererstattungen passiert
Alle bereits gezahlten Zulagen bleiben dir erhalten. Sie wandern mit dem Guthaben in das neue Altersvorsorgedepot und werden dort weiter verzinst. Auch die Steuerersparnisse aus früheren Jahren musst du nicht zurückzahlen, solange das Geld bis zur Rente investiert bleibt.
Wichtig zur Förderung nach der Umwandlung: Im Altersvorsorgedepot gilt die neue, beitragsproportionale Förderung, nicht mehr die alte feste Riester-Grundzulage von 175 Euro. Der Staat legt 50 Cent je Euro auf die ersten 360 Euro deines Eigenbeitrags drauf, danach 25 Cent je Euro bis zu einem Eigenbeitrag von 1.800 Euro im Jahr. In Summe sind das bis zu 540 Euro Grundzulage pro Jahr. Dazu kommt die Kinderzulage von bis zu 300 Euro je Kind. Die alte 175-Euro-Pauschale behält nur, wer seinen Riester-Vertrag unverändert weiterführt. Beide Förderungen gleichzeitig gibt es nicht. Bei höheren Einkommen prüft das Finanzamt weiterhin per Günstigerprüfung, ob Sonderausgabenabzug oder Zulage für dich besser ist. Mehr Details im Artikel Zulagen und staatliche Förderung.
Wenn du in Fonds umwandeln willst
Viele Riester-Sparende fragen, ob sie ihre Riester-Rente in Fonds umwandeln können. Die kurze Antwort: Ab 2027 ist genau das gemeint. Das Altersvorsorgedepot ist faktisch ein ETF-Depot mit Förderung. Die Begriffe „in Fonds umwandeln“ und „in Altersvorsorgedepot umwandeln“ beschreiben denselben Vorgang. Du wählst dabei selbst, in welche ETFs oder Fonds dein Geld fließt, statt einen vorgegebenen Versicherungsfonds zu bekommen. Wer bisher mit der Fondsauswahl seines Riester-Anbieters unzufrieden war, gewinnt durch die Umwandlung also vor allem Freiheit bei der Anlage.
Bleiben oder umwandeln? Rechne es durch
Der größte Hebel ist die Kostendifferenz zwischen deinem alten Vertrag und dem Altersvorsorgedepot. Stell dein heutiges Guthaben, dein Alter und deinen Vertragstyp ein und sieh, was bis zur Rente daraus wird.
Bleiben im Riester-Vertrag
ca. 34.490 Euro
mit 3,0 Prozent netto pro Jahr
Umwandeln ins Altersvorsorgedepot
ca. 64.714 Euro
mit 6,0 Prozent netto pro Jahr
Unterschied bis zur Rente: +30.224 Euro
Über die Restlaufzeit bringt das Umwandeln unter diesen Annahmen rechnerisch mehr.
Eine Wechselgebühr von 150 Euro ist nach rund 1 Jahr wieder aufgeholt.
So rechnen wir
Wir verzinsen nur dein heutiges Guthaben über die Restlaufzeit bis 67, einmal mit der Rendite deines Riester-Vertrags und einmal mit der erwarteten Rendite im Altersvorsorgedepot. Neue Beiträge bekommen in beiden Fällen Förderung und bleiben hier außen vor, damit der Vergleich ehrlich ist. Die Defaults sind Annahmen, keine Garantie, und im Expertenbereich anpassbar.
Schätzwerte unter den angezeigten Annahmen, keine Anlage- oder Steuerberatung. Aktienrenditen schwanken und sind nicht garantiert. Die Konditionen der Altersvorsorgedepot-Anbieter sind Stand Juni 2026 überwiegend noch nicht bestätigt, gesichert ist nur der gesetzliche Kostendeckel von 1 Prozent.
Ein Beispiel aus dem Rechner: Markus, 45, Banksparplan mit 18.000 Euro Guthaben, 22 Jahre bis zur Rente. Bleibt er im Banksparplan, hier mit 1,2 Prozent gerechnet (2 Prozent wären schon die optimistische Obergrenze), kommt er auf gut 23.000 Euro. Wandelt er in einen breiten ETF im Altersvorsorgedepot um, sind es bei 6 Prozent rund 65.000 Euro. Bei kürzerer Restlaufzeit fällt der Effekt kleiner aus.
Kündigen ist nicht umwandeln
Zwei Wege werden oft verwechselt, und nur einer ist gut. Wenn du deinen Riester heute kündigst, um das Geld in ein normales ETF-Depot zu stecken, ist das eine förderschädliche Verwendung: Du musst alle Zulagen und die gesparten Steuern zurückzahlen, je nach Vertrag schnell mehrere tausend Euro. Die Umwandlung ins Altersvorsorgedepot ab 2027 ist etwas anderes. Sie ist förderneutral, dein Guthaben und alle Zulagen wandern mit, nichts wird zurückgefordert. Wenn du also „Riester in ETF umwandeln“ suchst, meinst du fast immer den zweiten Weg, nicht die Kündigung.
Stolperfallen vor der Umwandlung
- Stornokosten beim Altanbieter. Manche Versicherer rechnen restliche Abschlusskosten gegen den Rückkaufswert. Frage die Werte vor der Umwandlung schriftlich an.
- Garantiezins-Verlust. Alte Versicherungsverträge mit über 3 Prozent Garantie sind heute nirgendwo mehr zu bekommen. Wer den Schutz aufgibt, sollte das bewusst tun.
- Restlaufzeit unter zehn Jahren. Je kürzer die Zeit bis zur Rente, desto stärker schlägt eine schwache Börsenphase durch. Bei wenigen Jahren bis zum Renteneintritt ist die Umwandlung riskanter.
- Anbieter prüfen. Nicht alle Altersvorsorgedepot-Anbieter werden sofort Riester-Übertragungen annehmen. Vor der Eröffnung kurz checken, ob der Übertragungsprozess schon live ist. Falls dich Wohn-Riester betrifft, lies zusätzlich die Anleitung für Wohn-Riester-Verträge.
Was feststeht und was noch offen ist (Stand Juni 2026)
Fest: Das Altersvorsorgereformgesetz ist 2026 verkündet, das Altersvorsorgedepot startet am 1. Januar 2027, die neue Förderung gilt mit bis zu 540 Euro Grundzulage.
Noch offen: Die genauen Konditionen der einzelnen Anbieter sind bis zur BaFin-Zertifizierung vorläufig, und einzelne Detailregeln zur Übertragung werden erst mit den Anbieterprozessen final. Wir aktualisieren die Seite, sobald sich etwas ändert.
Häufige Fragen
- Kann ich meinen Riester-Vertrag jederzeit umwandeln?
- Die Umwandlung ist ein freiwilliges Wahlrecht, kein Automatismus. Du erklärst sie gegenüber deinem Anbieter, sobald die Übertragungsprozesse ab 2027 aktiv sind. Wer nichts tut, dessen Riester-Vertrag läuft mit der bisherigen Förderung weiter (Bestandsschutz).
- Wie lange dauert die Übertragung?
- Erfahrungsgemäß zwischen vier und zwölf Wochen. Das hängt vom Altanbieter ab und davon, wie schnell der neue Altersvorsorgedepot-Anbieter die Mittel annimmt.
- Werden die Zulagen zurückgefordert?
- Nein. Solange das Geld weiter für die Altersvorsorge verwendet wird, bleiben alle Zulagen und Steuerersparnisse erhalten. Die laufenden Zulagen werden im Altersvorsorgedepot fortgeführt.
- Was kostet die Umwandlung?
- Beim Altanbieter können Stornogebühren oder restliche Abschlusskosten anfallen. Frage vorher die aktuellen Rückkaufswerte ab. Beim neuen Anbieter ist die Eröffnung selbst in der Regel kostenlos.
- Kann ich nur einen Teil meines Riester-Guthabens umwandeln?
- Nach aktuellem Stand ist die Übertragung als Vollübertragung des gesamten Guthabens ausgestaltet, eine ausdrückliche Teilübertragung ist nicht vorgesehen. Ein gesetzliches Verbot gibt es aber nicht eindeutig. Wer flexibel bleiben will, kann alternativ den Altvertrag beitragsfrei stellen und parallel neu im Altersvorsorgedepot sparen.
- Was ist der Unterschied zwischen Umwandlung und Wechsel?
- Wechsel meint klassisch den Übergang zu einem anderen Riester-Anbieter. Umwandlung meint den Übertrag in das neue Altersvorsorgedepot. Ab 2027 ist nur noch die Umwandlung sinnvoll.
- Wird mein Riester-Vertrag ab 2027 automatisch umgewandelt?
- Nein, nichts passiert von selbst. Es gibt weder einen automatischen Wechsel noch eine Frist, zu der du handeln musst. Dein Vertrag bleibt unangetastet, bis du dich aktiv für die Umwandlung entscheidest.
- Was passiert, wenn ich gar nichts tue?
- Dein Riester-Vertrag läuft unverändert weiter, mit der bisherigen Förderung von bis zu 175 Euro Grundzulage. Du verlierst nichts, nutzt aber auch nicht die neue, oft höhere Förderung des Altersvorsorgedepots.
- Kann ich meinen Riester beitragsfrei stellen statt zu wechseln?
- Ja. Du kannst den Altvertrag ruhend stellen und parallel ein Altersvorsorgedepot besparen. Das ist oft günstiger als eine Kündigung und hält dir beide Optionen offen.
- Muss ich meinen Riester kündigen, um in ein ETF-Depot zu kommen?
- Nein, und das wäre meist ein teurer Fehler. Eine Kündigung in ein freies ETF-Depot ist förderschädlich und löst die Rückzahlung der Zulagen und Steuervorteile aus. Die Umwandlung ins Altersvorsorgedepot ab 2027 ist dagegen förderneutral.
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Quellen: Altersvorsorgereformgesetz (BT-Drs. 21/4996), Bundesfinanzministerium FAQ zur Reform der privaten Altersvorsorge, Bundestag. Keine Anlage- oder Steuerberatung.