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Rente um 4,3% gestiegen — warum du trotzdem privat sparen musst

19. Juni 2026 · Timotheus Ruprecht · 6 Minuten Lesezeit

Zwei Säulen nebeneinander, hell und dunkel, Symbol für Kombinationsstrategie aus gesetzlicher Rente und privater Altersvorsorge
Matthew Jackson, CC0, via Pexels

Die Rente ist um 4,3% gestiegen. Das ist gut. Aber reicht das allein? Drei Szenarien zeigen, warum die Kombination aus Rente und privater Altersvorsorge zählt.

Die Renten sind ab Juli 2026 um 4,3% gestiegen. Das ist gut. Das bedeutet Erleichterung für Millionen von Menschen, die bereits in Rente sind. Aber wenn die Rente steigt, warum solltest du dann noch privat sparen? Diese Frage stellen sich viele. Die Antwort ist unbequem: ein Standbein reicht nicht.

Die gesetzliche Rente ist das Fundament. Sie bietet Sicherheit, gibt es im Alter zuverlässig und kann nicht aufgebraucht werden. Das ist wertvoll. Aber Fundamente allein halten kein Haus. Du brauchst auch die Wände, das Dach, die Fenster.

Im Alter ist das ähnlich. Lebenshaltungskosten, Hobbys, Reisen, Großeltern-Geschenke, unerwartete Reparaturen: Die Liste wird im Ruhestand nicht kürzer. Die Rente allein erreichtet für viele nicht, um denselben Lebensstil zu halten. Deshalb brauchst du mehrere Einkommensquellen: Die Rente plus private Altersvorsorge, vielleicht auch kleine Kapitalerträge oder Vermietung.

Wie das in der Praxis aussieht, zeigen dir drei konkrete Szenarien. Du siehst, wie unterschiedlich die Situationen sind und wie wichtig die richtige Mischung ist. Die Rechnung ist einfacher als du denkst.

Stand Juni 2026.

Szenario 1: Nur gesetzliche Rente

Stellen wir uns eine Person vor. Sie ist heute 35 Jahre alt, verdient netto 2.500€ im Monat und hat bislang nicht viel privat gespart. Sie arbeitet noch 32 Jahre, bis sie mit 67 Jahren in Rente geht.

Wie viel Rente bekommt sie mit 67?

Das hängt vom gesamten Verdienstverlauf ab. Für eine Person mit durchschnittlichem Einkommen und durchgehender Erwerbstätigkeit liegt die geschätzte monatliche gesetzliche Rente bei etwa 1.500€ (nach aktuellem Stand Juni 2026). Mit der gerade verkündeten Rentensteigerung von 4,3% ist diese Basis gestärkt, aber nicht um Größenordnungen erhöht.

1.500€ im Monat — das ist ein solides Fundament. Aber rechnen wir durch: Miete (500–800€ je nach Region), Versicherungen (200€), Lebensmittel (300€), Hobbys und Soziales (300€). Schnell ist die Rente aufgebraucht, ohne dass Spielraum bleibt.

Das ist der Kern des Problems. Eine Rente allein, selbst mit Steigerung, reicht heute oft nicht aus, um die Lebensqualität zu halten, die man sich vorgestellt hat.

Das heißt nicht, dass Rente schlecht ist. Es heißt: Ein Standbein reicht nicht.

Szenario 2: Gesetzliche Rente + alte Riester-Sparplan

Jetzt verändern wir das Szenario. Dieselbe Person, aber mit einer Riester-Sparplan, die seit etwa 10 Jahren läuft. Das Guthaben heute: 25.000€.

Die Person spart noch bis 2026 weiter und erhält die staatliche Förderung (Grundzulage 540€ pro Jahr plus evtl. Kinderzulagen, falls Kinder). Dann, ab 2027, hat sie die Option: Riester weiterlaufen lassen oder ins neue Altersvorsorgedepot umwandeln.

Nehmen wir an, die Riester-Sparplan wächst bis zum 67. Geburtstag auf etwa 40.000€ an (mit weiteren Einzahlungen und Rendite). Im Alter kann die Person diese 40.000€ mit einer einfachen 4%-Regel entnehmen. Das ergibt monatlich etwa 1.600€ zusätzlich zur Rente.

Gesamt-Haushalt im Alter:

  • Gesetzliche Rente: 1.500€
  • Riester-Zusatzrente: 1.600€
  • Gesamt: 3.100€ pro Monat

Plötzlich ist deutlich mehr Luft im Budget. Miete + Versicherungen + Lebensmittel + Hobbys + Rücklagen für Unvorhergesehenes — das passt.

Das ist die Kraft der Kombination. Die Riester war für ihre Generation eine praktikable Lösung, auch wenn sie Schwächen hat (Besteuerung im Alter, komplizierte Regeln). Viele Menschen haben damit ein stabiles zweites Standbein aufgebaut.

Aber: Die Riester läuft aus. Ab 2027 kommt die nächste Generation von Produkten. Für wen zu spät ist zu wechseln, kann die alte Riester weiterlaufen. Für andere stellt sich die Frage: Bleiben oder umwandeln?

Szenario 3: Gesetzliche Rente + Altersvorsorgedepot ab 2027

Nehmen wir noch ein Szenario. Eine Person, die heute 35 ist, hat keine Riester-Sparplan und startet neu 2027 mit dem Altersvorsorgedepot.

Sie entscheidet sich, 200€ pro Monat (2.400€ pro Jahr) einzuzahlen. Der Staat gibt Förderung hinzu: 540€ Grundzulage pro Jahr. Zusammen fließen also ~2.940€ pro Jahr in das Depot.

Über 30 Jahre (2027 bis 2057, wenn die Person 67 wird) und mit einer angenommenen durchschnittlichen Rendite von 5% pro Jahr (netto nach Kosten, die beim Altersvorsorgedepot auf maximal 1% gedeckelt sind), wächst dieses Depot zu etwa 180.000–200.000€.

Mit einer 4%-Entnahmequote ergibt das etwa 650€ monatlich zusätzlich zur Rente.

Gesamt-Haushalt im Alter:

  • Gesetzliche Rente: 1.500€
  • Altersvorsorgedepot-Entnahme: 650€
  • Gesamt: 2.150€ pro Monat

Das ist weniger als im Riester-Szenario (2.150€ vs. 3.100€). Warum? Weil die Person später startet (mit 35, nicht schon mit 25). Die Sparzeit ist kürzer.

Aber es ist immer noch deutlich mehr Sicherheit als nur Rente allein. Und das Altersvorsorgedepot hat Vorteile: günstigere Gebühren (maximal 1% Kostendeckel), einfachere Regeln, mehr Flexibilität bei der Anbieter-Wahl.

Das ist die neue Strategie ab 2027: Nicht perfekt für jeden, aber solid und modern.

Vergleich: Was ergibt die Kombination?

| Szenario | Rente monatlich | Private Zusatzrente | Gesamt monatlich | Bewertung | |----------|------|------|------|------| | Nur Rente | 1.500€ | — | 1.500€ | Knapp. Wenig Spielraum. | | Rente + Riester | 1.500€ | 1.600€ | 3.100€ | Stabil. Bewährte Strategie. | | Rente + Altersvorsorgedepot | 1.500€ | 650€ | 2.150€ | Solide. Später gestartet. Moderne Struktur. |

Alle Szenarien sind Beispiele. Die realen Zahlen hängen von deinem Verdienstverlauf, deiner Sparquote und den Renditen ab. Aber die Richtung ist klar: Mit einem zweiten Standbein ist dein Ruhestand weniger fragil.

Selbst rechnen
Welche Szenarien passen zu dir?
Probiere deinen Sparbetrag, dein Alter und die angenommene Rendite selbst durch. Der Rechner zeigt dir, wie viel Zusatzrente entsteht.

Fazit: Warum trotzdem privat sparen?

Die Rente um 4,3% zu erhöhen ist gut. Es ist ein Signal, dass der Staat die Lebensleistung von Erwerbstätigen anerkennt. Aber es ist kein Signal, privat zu entspannen.

Deine Rente ist ein Fundament. Private Altersvorsorge ist das zweite Standbein. Zusammen entsteht Stabilität.

Das gilt für Riester-Sparer, die heute ihre Optionen überdenken: Soll ich die alte Riester weitermachen oder zum Altersvorsorgedepot wechseln? Beide Wege haben Sinn, je nach Situation.

Zum Wissen-Cluster Riester-Umwandlung: Riester-Wechsel oder Umwandlung →

Technisch wie die Umwandlung funktioniert: Schritt für Schritt zum Altersvorsorgedepot →

Das gilt auch für alle, die noch nicht angefangen haben: Das Altersvorsorgedepot ab 2027 ist kein kompliziertes Finanzprodukt. Es ist ein einfacher Weg, ein zweites Standbein aufzubauen.

Der beste Zeitpunkt, mit Altersvorsorge zu starten, war vor 10 Jahren. Der zweitbeste ist jetzt.

Stand Juni 2026. Dieser Beitrag ist keine Anlageempfehlung. Für individuelle Beratung konsultiere einen unabhängigen Finanzberater.

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