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Was kostet das Altersvorsorgedepot wirklich? Offizielle Kosten und was nur kursiert

27. Mai 2026 · Timotheus Ruprecht · 4 Minuten Lesezeit

Gestapelte Euro-Münzen auf Geldscheinen, im Fokus eine Ein-Euro-Münze
Christoph Scholz, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

Im Netz stehen schon konkrete Gebühren für comdirect, ING und DKB. Offiziell bestätigt ist davon fast nichts. Was beim Altersvorsorgedepot wirklich feststeht.

Die größte offene Frage beim Altersvorsorgedepot ist nicht mehr, ob es kommt. Das ist seit der Verkündung im Bundesgesetzblatt entschieden. Die offene Frage ist, was es kostet. Und genau dazu kursieren im Netz bereits konkrete Zahlen für comdirect, ING und DKB, obwohl offiziell fast nichts bestätigt ist. Dieser Beitrag trennt, was feststeht, von dem, was bisher nur Schätzung ist. Stand Mai 2026.

Was offiziell feststeht

Drei Dinge sind belastbar.

Erstens der gesetzliche Rahmen. Beim Standardprodukt sind die Effektivkosten auf ein Prozent pro Jahr gedeckelt. Mehr darf ein zertifiziertes Standardprodukt nicht kosten.

Zweitens die Neobroker. Scalable Capital und finanzen.net ZERO haben ihre Konditionen veröffentlicht. Beide verlangen null Prozent Depotgebühr und null Prozent Ordergebühr für Sparpläne. Was bleibt, sind die Kosten des gewählten Fonds. Bei einem günstigen Welt-ETF liegen die bei rund 0,10 bis 0,20 Prozent im Jahr.

Drittens Acatis. Die Fondsgesellschaft hat als bisher einziger Produktgeber eine konkrete Gesamtkostenquote genannt: 0,7 Prozent pro Jahr.

Das ist der gesamte Bestand an belastbaren Zahlen. Alles andere ist noch offen.

Was im Netz kursiert, und warum Vorsicht angebracht ist

Wer heute nach den Kosten von comdirect, ING oder DKB sucht, findet trotzdem konkrete Prozentwerte. comdirect mit 0,25 Prozent, DKB mit 0,15 Prozent, ING mit 0,20 Prozent Depotgebühr. Diese Zahlen stehen auf Vergleichs- und Affiliate-Seiten, meist mit dem kleinen Zusatz "erwartet".

Offiziell bestätigt ist davon nichts. Das comdirect-Magazin und der Commerzbank-Ratgeber erklären das Altersvorsorgedepot, nennen aber keine eigene Gebühr. ING und DKB haben ihre Teilnahme bestätigt, ihre Preise aber nicht. Branchendienste wie das Fachmagazin DAS INVESTMENT und AssCompact halten Ende Mai fest: außer Acatis hat noch kein Anbieter offizielle Konditionen vorgelegt.

Die kursierenden Werte sind also Schätzungen, keine Tarife. Verbraucherschützer haben nach der Verkündung des Gesetzes ausdrücklich davor gewarnt, sich auf vorläufige Zahlen zu verlassen und vorschnell abzuschließen.

Warum kleine Prozente über Jahrzehnte viel ausmachen

Bei einer Altersvorsorge, die über dreißig oder vierzig Jahre läuft, ist der Unterschied zwischen 0,2 und 0,7 Prozent jährlich nicht klein. Kosten wirken jedes Jahr auf das gesamte angesparte Kapital, nicht nur auf die neue Einzahlung. Über lange Zeiträume summiert sich das zu vier- oder fünfstelligen Beträgen.

Deshalb lohnt es sich, die endgültigen Konditionen abzuwarten und dann genau zu rechnen, statt sich an vorläufigen Schätzungen zu orientieren.

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Was machen Kosten langfristig aus?
Stell zwei Kostenszenarien gegenüber und sieh, wie viel die Differenz über deinen Anlagezeitraum ausmacht.

Worauf du bis Herbst achten solltest

Die meisten Anbieter wollen ihre finalen Kosten erst im Herbst 2026 veröffentlichen, viele zeitgleich mit dem offiziellen Produktstart. Bis dahin helfen drei Punkte.

Achte auf die Gesamtkosten, nicht nur auf die Depotgebühr. Entscheidend ist die Summe aus Depotgebühr, Ordergebühr und der laufenden Kostenquote des Fonds. Ein günstiges Depot mit einem teuren Fonds kann am Ende teurer sein als umgekehrt.

Vergleiche erst, wenn echte Zahlen vorliegen. Ab 2027 soll es zusätzlich eine unabhängige und kostenlose Vergleichsplattform für zertifizierte Produkte geben.

Und lass dich nicht drängen. Das Altersvorsorgedepot startet erst am 1. Januar 2027. Es gibt keinen Grund, sich vorher auf Basis von Schätzungen festzulegen.

Dieser Beitrag ordnet die öffentlich verfügbaren Informationen ein und ist keine Anlageempfehlung.

Was als Nächstes kommt

Der nächste echte Meilenstein sind die Herbst-Konditionen. Dann werden Union Investment und voraussichtlich mehrere Banken ihre Gebühren konkret machen. Offen ist außerdem die Rechtsverordnung zum öffentlichen Standardprodukt, die den Rahmen für das staatliche Vergleichsangebot festlegt.

Wie einzelne Anbieter sich bisher positioniert haben, steht in den Beiträgen zu Union Investment → und finanzen.net ZERO →. Wie die Kosten grundsätzlich aufgebaut sind, erklärt der Wissens-Artikel Kosten im Altersvorsorgedepot →

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