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Altersvorsorgedepot für Selbstständige
Zum ersten Mal bekommen Selbstständige staatliche Förderung für die private Altersvorsorge. So nutzt du sie.
Wenn du selbstständig bist, kennst du das Gefühl: Jeder redet über Altersvorsorge, aber die staatliche Förderung war bisher nicht für dich. Riester? Ausgeschlossen. Rürup? Kompliziert und teuer. Das ändert sich 2027. Zum ersten Mal überhaupt öffnet der Staat sein Förderprogramm für alle Selbstständigen, egal ob Freelancer, Handwerker oder Gründerin.
Was ist neu
Bei Riester waren Selbstständige aussen vor, wenn sie nicht über eine Pflichtversicherung in ein bestimmtes Versorgungswerk fielen. Beim AVD gilt die Berechtigung für alle, die in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig sind. Das umfasst fast 4 Millionen Selbstständige, Freiberuflerinnen und Freiberufler.
Rechenbeispiel Lisa
Lisa, 34, selbstständige Grafikdesignerin, verdient 52.000 Euro im Jahr. Grenzsteuersatz rund 30 Prozent. Keine Kinder, ledig.
- Sparrate: 150 Euro im Monat, also 1.800 Euro im Jahr
- Grundzulage: 540 Euro
- Steuerlich absetzbar: 2.340 Euro
- Theoretische Steuerersparnis: 702 Euro
- Minus Zulage: 162 Euro Steuererstattung
- Gesamte Förderung: 702 Euro pro Jahr
Das ist eine Förderquote von rund 39 Prozent. In 33 Jahren bis zur Rente kommt Lisa so auf etwa 241.000 Euro, davon nur 59.400 Euro eigenes Geld. Den Rest haben Zulagen, Steuererstattungen und der Zinseszins erledigt.
Rürup oder AVD oder beides
Die Rürup Rente ist heute die klassische Altersvorsorge für Selbstständige. Grosser Vorteil: hohe steuerliche Abzugsmöglichkeiten bis 29.000 Euro pro Jahr. Nachteil: unflexibel, oft teuer, nicht vererbbar.
Das AVD ist das Gegenmodell. Flexibler, günstiger, mit klaren Zulagen für mittlere Einkommen. Dafür weniger Steuerabzug pro Euro bei Spitzenverdienern.
Für viele Selbstständige ist eine Kombination sinnvoll:
- AVD für 1.800 Euro pro Jahr, um die volle Zulage abzugreifen.
- Rürup zusätzlich, wenn der Grenzsteuersatz hoch ist und mehr Steuerabzug gebraucht wird.
- Dazu ein normales ETF Depot für Flexibilität und Puffer.
Praktische Schritte
- Eigenen Steuersatz kennen. Je höher, desto wichtiger wird die steuerliche Absetzbarkeit.
- Ziel Sparrate festlegen. 150 Euro im Monat reichen für die volle Zulage.
- Anbieter aussuchen. Neobroker sind meist günstiger als klassische Versicherungen.
- Warteliste oder Kontoeröffnung ab Januar 2027. Spätestens im Januar/Februar eröffnen, damit du das volle Förderjahr mitnehmen kannst.
Rechne deinen Fall durch
Im Zukunftsrechner gibst du dein Einkommen als Selbstständige oder Selbstständiger ein und siehst sofort deine Förderquote und dein Endvermögen.
Häufige Fragen
- Bekommen Selbstständige die volle AVD Förderung?
- Ja. Anders als bei Riester haben Selbstständige beim Altersvorsorgedepot denselben Anspruch wie Angestellte.
- Brauche ich für das AVD einen Rentenversicherungsnachweis?
- Nein. Die Berechtigung gilt unabhängig von einer Rentenversicherungspflicht, solange du in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig bist.
- Lohnt sich ein AVD neben einer bestehenden Rürup Rente?
- Das hängt vom Einzelfall ab. Rürup hat höhere steuerliche Abzugsmöglichkeiten, ist dafür unflexibler. Ein AVD dazu kann sinnvoll sein für die Grundförderung und Flexibilität.
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Quellen: Altersvorsorgereformgesetz (BT-Drs. 21/4996), Bundesfinanzministerium FAQ zur Reform der privaten Altersvorsorge, Bundestag. Keine Anlage- oder Steuerberatung.