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Preiskampf ums Altersvorsorgedepot: Wer welche Kosten nennt und was davon hält

26. September 2026 · Timotheus Ruprecht · 6 Minuten Lesezeit

Fünf Stapel Münzen, von links nach rechts immer höher, vor weißem Hintergrund
kschneider2991, CC0, via Wikimedia Commons

Scalable, Smartbroker+, Deka, Quirion und flatexDEGIRO unterbieten sich beim Altersvorsorgedepot. DWS und Union Investment bleiben teurer, ING, DKB und Comdirect schweigen noch. Der Überblick mit Stand September 2026 und der Haken bei den Kampfpreisen.

Im Mai hatte außer Acatis kein Anbieter offizielle Kosten für das Altersvorsorgedepot genannt. Vier Monate später sieht das anders aus. Seit Ende August legen die Anbieter in schneller Folge Zahlen vor. Stiftung Warentest, WirtschaftsWoche und andere sprechen von einer Preisschlacht. Dieser Beitrag sortiert, wer was angekündigt hat. Und er erklärt, warum die niedrigen Preise kein Versprechen für immer sind. Stand September 2026.

Was seit Ende August passiert ist

Die Reihenfolge der Ankündigungen:

  • 27. August: Scalable Capital nennt Kosten und öffnet die Voranmeldung.
  • 8. September: Smartbroker+ startet die Voranmeldung, mit Erstattung der Fondskosten.
  • Anfang September: Quirion nennt die Fondskosten seines Standarddepots.
  • 10. September: Deka, das Fondshaus der Sparkassen, kündigt 0,1 Prozent an.
  • 24. September: flatexDEGIRO bietet fünf Jahre ohne Fondskosten.
  • Ende September: DWS und Union Investment nennen ihre Kosten.

Zur Einordnung hilft der gesetzliche Rahmen. Beim Standardprodukt dürfen die Kosten höchstens 1 Prozent pro Jahr betragen. Alle bisher genannten Angebote liegen darunter. Manche liegen sehr weit darunter.

Die günstigen Angebote im Detail

Scalable Capital. Konto, Depot, Sparpläne, Käufe und Verkäufe sind im Standarddepot kostenlos. Es bleiben die laufenden Kosten der ETFs. Sie liegen bei höchstens 0,15 Prozent pro Jahr. Im ersten Jahr 2027 will Scalable diese Kosten selbst tragen. Wer die ETFs lieber selbst auswählt, zahlt im Gratis-Tarif 0,99 Euro pro Order. Im Abo „Prime+“ sind Orders kostenlos.

Die Voranmeldung läuft seit dem 27. August bis zum 31. Dezember 2026. Sie ist kostenlos und unverbindlich. Dazu gibt es ein Gewinnspiel: Fünf Gewinner bekommen 540 Euro jährlich bis zum Rentenbeginn.

Smartbroker+. Depot, Sparpläne und Orders kosten nichts. Im Standarddepot erstattet Smartbroker+ zusätzlich die laufenden Fondskosten. Das gilt drei Jahre lang und bis 25.000 Euro Anlagebetrag. Zur Wahl stehen drei Welt-ETFs: MSCI World, MSCI ACWI oder FTSE All-World.

Nach drei Jahren gibt es eine Bedingung. Die Erstattung läuft nur weiter, wenn du im normalen Smartbroker+-Depot mindestens 15 Trades pro Jahr machst. Wer nur fürs Alter spart, zahlt ab dem vierten Jahr die üblichen Fondskosten.

Deka. Das Standarddepot kostet 0,1 Prozent pro Jahr. Depot und Zulagen-Verwaltung sind kostenlos. Es besteht aus zwei Deka-ETFs: einem weltweiten Aktienfonds und einem Fonds mit europäischen Anleihen. Anfangs fließt das Geld komplett in Aktien. Fünf Jahre vor dem Rentenbeginn sinkt der Aktienanteil auf die Hälfte. Wer möchte, kann den Aktienanteil in der Sparkassen-App selbst einstellen.

Daneben gibt es ein aktiv verwaltetes Produkt. Es kostet je nach Laufzeit 1,0 bis 1,5 Prozent pro Jahr. Ab Januar 2027 soll das Angebot in allen Sparkassen und in der App verfügbar sein.

Quirion. Das Standarddepot besteht aus zwei ETFs von Vanguard. Sie kosten 0,07 und 0,08 Prozent pro Jahr. Eigene Gebühren will Quirion zum Start nicht verlangen. Vollständige Konditionen für die Zeit danach fehlen noch.

flatexDEGIRO. Das Modell „Standarddepot Core“ hat keine Depot-, Vertrags- oder Ordergebühren. Die laufenden Fondskosten erstattet flatex mindestens fünf Jahre lang. Danach liegen sie bei höchstens 0,07 Prozent pro Jahr. Für die Modelle „Plus“ und „Flex“ fehlen noch genaue Preise.

Die teureren Angebote

Nicht alle machen beim Preiskampf mit. DWS und Union Investment setzen auf aktiv verwaltete Fonds. Das kostet mehr, bleibt aber unter dem gesetzlichen Deckel.

DWS nennt vier Varianten:

  • „VorsorgeDepot ETF“: voraussichtlich 0,42 Prozent pro Jahr
  • „VorsorgeDepot Aktive ETFs“: voraussichtlich 0,60 Prozent
  • „VorsorgeDepot Fonds“: voraussichtlich 0,65 Prozent
  • „VorsorgeDepot Comfort“: voraussichtlich 1,13 Prozent

Union Investment nennt für „UniVorsorge Basis“ rund 0,55 Prozent pro Jahr. „UniVorsorge Pro“ kostet rund 1,0 Prozent.

Alle Zahlen auf einen Blick

AnbieterKosten pro Jahr (angekündigt)Besonderheit
flatexDEGIRO0 %, später max. 0,07 %Fondskosten mind. 5 Jahre erstattet
Smartbroker+0 %, später übliche FondskostenFondskosten 3 Jahre erstattet, bis 25.000 €
Scalable Capitalmax. 0,15 %, 2027: 0 %Nur Fondskosten, keine Depotgebühr
Deka0,1 %Über Sparkassen und App
Quirion0,07 bis 0,08 % FondskostenZwei Vanguard-ETFs
DWS0,42 bis 1,13 %Vier Varianten
Union Investmentca. 0,55 bis 1,0 %Aktiv verwaltete Fonds

Alle Angaben sind Ankündigungen der Anbieter. Verbindlich werden sie erst mit der Zertifizierung. Die Tabelle ist ein Überblick zum öffentlichen Stand und keine Empfehlung für einen Anbieter.

Wer noch keine Zahlen genannt hat

ING, DKB und Comdirect haben ihr Altersvorsorgedepot angekündigt. Offizielle Kosten haben sie bisher nicht genannt. Im Netz kursieren trotzdem Werte: 0,20 Prozent für ING, 0,15 Prozent für DKB, 0,25 Prozent für Comdirect. Diese Zahlen stammen von Vergleichsportalen, nicht von den Banken.

Trade Republic hat den Start zum 1. Januar 2027 bestätigt. Kosten gibt es noch nicht. Die oft genannte Grenze „unter 0,5 Prozent“ ist eine Schätzung von Vergleichsseiten.

Der Haken: Preise dürfen steigen

Das Gesetz erlaubt Anbietern, ihre Preise später zu erhöhen. Dafür gelten zwei Bedingungen:

  • Der Anbieter muss sich das Recht beim Vertragsabschluss vorbehalten.
  • Er muss die Erhöhung vier Monate vorher ankündigen.

Die heutigen Kampfpreise sind also Einstiegspreise. Ob ein Anbieter sie später anhebt, weiß heute niemand. Mehrere Angebote sind außerdem zeitlich begrenzt. Bei Smartbroker+ sind es drei Jahre, bei flatexDEGIRO fünf, bei Scalable eines.

Beim Vergleich lohnt deshalb ein zweiter Blick. Nicht nur der Preis im ersten Jahr zählt. Wichtig ist auch, was danach gilt und was im Preisblatt zur Preiserhöhung steht.

Selbst rechnen
Was machen 0,1 oder 0,65 Prozent Kosten über 30 Jahre aus?
Stell Sparrate, Laufzeit und Kosten ein. Du siehst, wie viel die Differenz am Ende ausmacht.

Was sich für dich ändert

Im Moment noch nichts. Kein Angebot ist bisher zertifiziert. Abschließen kann man ein Altersvorsorgedepot erst ab dem 1. Januar 2027.

Voranmeldungen sind kostenlos und unverbindlich. Wer sich einträgt, geht keine Verpflichtung ein. Eile ist trotzdem nicht nötig. Die Zulagen für 2027 lassen sich laut Stiftung Warentest noch bis Ende 2027 beantragen.

Was als Nächstes kommt

Die Zertifizierungen sind der nächste Schritt. Deka rechnet mit November 2026. Erst danach gibt es verbindliche Preisblätter. Dann lässt sich auch ein vollständiger Vergleich machen.

Offen sind vor allem die Zahlen von ING, DKB, Comdirect und Trade Republic. Spannend wird, ob sie beim Preiskampf mitziehen.

Wie wir im Mai die kursierenden Zahlen eingeordnet haben, steht in Was kostet das Altersvorsorgedepot? →

Warum das staatliche Standarddepot zum Start voraussichtlich fehlt, steht in Staatliches Standarddepot: Warum der Start am 1. Januar 2027 nicht zu halten ist →

Dieser Beitrag ordnet den öffentlich bekannten Stand ein und ist keine Anlageempfehlung.

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